110 Tage. Seit 110 Tagen spüre ich die Wärme der Sonne, die Nässe des Regens, die Feuchtigkeit des Nebels oder die Kälte des Morgens nicht mehr. Die Sonne geht nicht mehr für mich auf, wenn ich früh Aufstehe. Es bleibt immer Dunkel, seitdem du weg bist. Mein Herz schlägt nicht mehr im richtigen Takt, setzt oft aus oder hängt her. Mein Körper fühlt sich leer und verloren an. So als würde er zu niemanden mehr passen. Du bist nicht mehr da und nun hat er niemand mehr zu dem er gehört.
Ich stehe jeden morgen auf und frage mich wofür? Ich gehe jeden Abend ins Bett mit der Angst wieder einen dieser Albträume zuhaben, in denen ich dich immer und immer wieder verliere. Das schlimme daran ist, das ich das Gefühl habe das du nicht mehr auf mich aufpasst. Im Himmel.
Das du auf ein mal weg bist und dich nicht mehr für mich interessierst. Dabei weiß ich, das du mir so vertraut hast, wie es sonst niemand auf dieser Welt getan hat. Du hast auf mich gesetzt und du konntest fühlen was ich fühle. Du warst da. Jeden Tag.
Ich hätte nie gedacht das es ein solches Gefühl gibt, was ich jetzt spüre. Ich fühle mich innerlich so leer. Du hast mich erfüllt, du hast mich vollständig gemacht.
Ich schreibe dir jeden Tag Briefe, mit der Hoffnung sie erreichen dich dort wo du bist.
''Every Rider has that one special horse who changes everything about them'' - dieses Pferd warst du. Ich hab nie gedacht das man solch eine Bindung zu einem Pferd haben kann. Niemand wusste je, das ich manchmal Nachts heimlich zu dir bin nur um bei dir zu sein. Manchmal hab ich mich neben dich gesetzt und du hast dich, ohne ein Anzeichen von Angst, neben mich gelegt. So das dein Kopf auf mein Ausgestreckten Beinen lag, meine eine Hand über deine Augen streichelte und die andere Hand an deinem Mund lag so das du sie ablecken konntest. Ich erinnere mich, wie dein Kopf einmal zu meinem Hoch wanderte und du mich kurz ansahst und mir dann fest entschlossen einen Kuss auf meinen Mund gabst. So Sanft, das es sich anfühlte als wäre nur der Wind darüber gestrichen.
Niemand wusste je davon. Niemand wusste, was wir für eine Bindung hatten. Wie viel wir eigentlich erlebt haben, obwohl wir nichts erlebt haben.
Noch immer komm ich jedes mal Nachhause und schaue auf die Koppel oder in den Stall mit der Hoffnung du stehst dort und wartest auf mich.
Doch jedes mal werde ich enttäuscht. Jedes mal stehst du dort nicht mehr.
Ich erinnere mich, an den Tag danach. Ich setzt mich auf die Weide genau an den Ort wo du immer lagst. In diesem Moment wo ich mich hinsetzte, kam ein großer Windstoß und ich wusste das du das warst. Ich wusste das du mir damit gestattet hast, mich dort hinzusetzen.
Und das schlimmste an allem, jede Nacht wenn ich meine Augen zumache, sehe ich deine Augen. Wie sie mich ansahen. An dem Abend, kurz bevor du in dieser Box lagst, dich nicht mehr rührtest. Ich erinnere mich an deine Augen, wie du mich ansahst. So als wüsstest du, was jeden Moment passieren wird. Dann hab ich das Gefühl, ich hätte dich im Stich gelassen. Und dann denk ich mir das dass alles nur meine Schuld war. Ich hätte an dem Tag für dich da sein müssen, hätte aufpassen müssen das dir nichts passiert. Vielleicht bist du nur allein wegen mir gestorben. Weil ich nicht gut genug für dich war. Vielleicht auch weil ich dich zu sehr geliebt habe. Ich verliere alles was ich liebe und vielleicht war das der Grund warum du gehen musstest.
Doch jetzt hab ich nicht nur dich verloren, sondern auch mich selbst.
''Und wenn wir uns an einem Fernern Ort der Zukunft, in unserem neuen Leben wiedersehen, werde ich dir voller Freude zulächeln und mich an einen Sommer unter Bäumen erinnern. In den wir von uns lernten und an unserer Liebe wuchsen.''
Ich werde weiter machen, Endira, für dich. Für UNS.